Bar Montenegro – Hafenstadt, Ruinen von Stari Bar & ältester Olivenbaum Europas
Lage: Südküste Montenegros – ca. 1 Std. von Budva, 30 Min. von Ulcinj
Besonderheit: Größte Küstenstadt Montenegros, Fähre nach Italien, Endstation Belgrad-Bar-Bahn
Highlights: Stari Bar (Ruinenstadt), Stara Maslina (2.000+ Jahre alter Olivenbaum), König-Nikola-Palast
Beste Reisezeit: Mai, Juni, September – ruhiger als Hochsaison, angenehme Temperaturen
Bar ist die Stadt, die die meisten Montenegrotouristen nur aus dem Autofenster sehen – auf der Durchfahrt Richtung Budva oder Ulcinj. Ein Fehler. Denn vier Kilometer vom Hafen entfernt, hoch oben auf einem Felsrücken, liegt eine der faszinierendsten Ruinenstädte des gesamten Balkans. Daneben steht ein Olivenbaum, der älter ist als das Christentum. Und der Hafen selbst ist der einzige direkte Seeweg von Montenegro nach Italien.
Bar ist zweigeteilt: Das moderne Novi Bar direkt an der Küste – Hafen, Promenade, Alltag. Und das alte Stari Bar im Inland, auf einem Hügel eingefroren in der Zeit. Wer beide kennenlernt, versteht Montenegro ein Stück besser.
Stari Bar – die Ruinenstadt über dem Meer
Lage: 4 km von Novi Bar, auf einem Hügel am Fuß des Bergs Rumija
Eintritt: ca. 3–4 € (Ruinengelände)
Dauer: 1–2 Std. Rundgang durch die Ruinen
Anfahrt: Auto (Parkplatz am Eingang), Taxi, Lokalbus oder 45 Min. zu Fuß bergauf
Stari Bar ist keine gewöhnliche Altstadt – es ist eine komplette mittelalterliche Stadt, die seit 1878 in Ruinen liegt und nie wieder aufgebaut wurde. Venezianische Mauern, osmanische Bauten, romanische Kirchen, ein gewaltiges Aquädukt – alles übereinander geschichtet, von Gras und Zeit überwachsen, und von einem Hauch von Melancholie durchzogen, der sich schwer beschreiben lässt.
Die Stadt wurde erstmals im 9. Jahrhundert als „Antibarium“ erwähnt – was so viel bedeutet wie „gegenüber von Bari“ in Italien. Venezianer, Osmanen, Serben, Montenegriner – alle haben hier ihre Spuren hinterlassen. 1878 wurde Stari Bar bei der Befreiung von den Osmanen schwer beschädigt, 1979 richtete ein Erdbeben weitere Verwüstung an. Die Bewohner zogen an die Küste, die Ruinen blieben.
Was du in Stari Bar gesehen haben musst
Ein Rundweg führt durch das gesamte Gelände. Besonders sehenswert sind die venezianischen Stadtmauern mit Zollhaus und Pulverturm, die Zitadelle mit dem besten Panoramablick über Stari Bar und das Meer, die romanische Markuskirche und die gotische Kirche St. Katharina sowie das osmanische Aquädukt mit seinen 17 Steinbögen – eines der am besten erhaltenen auf dem gesamten Balkan. Das Aquädukt versorgte die Stadt einst mit Trinkwasser aus den Bergen und überstand sogar das Erdbeben von 1979.
Das Dorf vor den Toren – Einkaufen wie früher
Direkt am Eingang zu Stari Bar gibt es eine kleine Siedlung aus traditionellen Steinhäusern, einige davon zu kleinen Läden und Restaurants umgebaut. Hier kann man lokales Olivenöl, Honig und getrocknete Feigen direkt von den Produzenten kaufen – authentisch und günstig. Jeden Freitag findet hier außerdem ein Bauernmarkt statt.
Für wen lohnt sich Stari Bar?
Fotografen
Kulturfans
Familien
Abenteurer
Stara Maslina – der älteste Olivenbaum Europas
Alter: Über 2.000 Jahre – bereits zur Römerzeit vorhanden
Lage: Weiler Mirovica, ca. 15–20 Min. Fußweg von Stari Bar
Status: Geschütztes Naturdenkmal Montenegros
Besonderheit: Trägt bis heute noch Früchte – jedes Jahr wird die Olivenernte gefeiert
Direkt neben Stari Bar, im kleinen Weiler Mirovica, steht einer der bemerkenswertesten Bäume Europas: die Stara Maslina, der älteste Olivenbaum des Balkans und einer der ältesten lebenden Bäume der Welt. Sein Alter wird auf über 2.200 Jahre geschätzt – er war bereits alt, als das Römische Reich jung war.
Was diesen Baum so besonders macht: Er trägt bis heute Früchte. Jedes Jahr im November wird in Stari Bar die „Maslinada“ gefeiert – ein Olivenernte-Fest mit Musik, Kostümen, Olivenöl-Verkostung und allem, was dazugehört. Der knorrige Stamm misst über zehn Meter im Umfang, die silbrig-grünen Blätter sind genauso wie seit Jahrtausenden.
Die lokale Überlieferung besagt, dass Streitigkeiten früher unter seinen Ästen beigelegt wurden – ein Friedensbaum im wahrsten Sinne des Wortes.
Novi Bar – die moderne Hafenstadt am Meer
Novi Bar ist das, was die meisten Besucher als erstes sehen – und womit viele nichts anfangen können. Großer Hafen, Tanklager, Frachter. Kein Postkartenmotiv. Aber wer genauer schaut, entdeckt eine entspannte, grüne Küstenstadt mit echtem montenegrinischen Alltagsleben – weit weniger touristisch als Budva, dafür authentischer und günstiger.
König-Nikola-Palast – Geschichte direkt am Hafen
An der Uferpromenade steht der elegante König-Nikola-Palast aus dem 19. Jahrhundert, heute Museum und Kulturzentrum. Das Gebäude erinnert an Bars Bedeutung als Residenzstadt des montenegrinischen Königshauses – ein ruhiger und wenig besuchter Gegenpol zum trubeligen Hafen.
Kirche St. Jovan Vladimir – größte orthodoxe Kirche Montenegros
Die moderne Kathedrale St. Jovan Vladimir ist die größte orthodoxe Kirche Montenegros – bekannt für ihre außergewöhnlichen Wandmalereien und Mosaike im byzantinischen Stil. Auch für Menschen, die keine Kirchgänger sind, ist das Innere sehenswert.
Strände rund um Bar
Der Stadtstrand Šušanj liegt nur wenige Minuten vom Zentrum entfernt und ist für ein Bad gut geeignet. Ruhigere und schönere Strände findet man in den Nachbarorten Sutomore und Canj – wobei es dort an Wochenenden im Sommer voll werden kann. Unser Tipp: Wochentags oder außerhalb der Hochsaison.
Anreise der besonderen Art – Zug aus Belgrad & Fähre aus Italien
Die Belgrad-Bar-Bahn – eine der spektakulärsten Zugstrecken Europas
Streckenlänge: ca. 476 km, Fahrtzeit ca. 11–12 Stunden
Bauzeit: 24 Jahre, Eröffnung 1974
Ingenieursleistung: 435 Brücken, 254 Tunnel durch die Bergwelt Montenegros
Bar ist die Endstation der legendären Belgrad-Bar-Bahn – einer der eindrucksvollsten Zugstrecken Europas. 24 Jahre Bauzeit, 435 Brücken, 254 Tunnel. Die Trasse windet sich durch das Herz der montenegrinischen Bergwelt und bietet Ausblicke, die man so von keiner Straße aus sieht. Wer Montenegro einmal anders entdecken will: Diese Zugfahrt ist ein Erlebnis für sich.
Fähre nach Italien – Bar als Tor zur Adria
Von Bar fahren Fähren direkt nach Bari und Ancona in Italien – eine bequeme Option für alle, die Montenegro auf dem Seeweg erreichen oder verlassen möchten. Die Nachtfähre nach Bari ist besonders praktisch: Abends einsteigen, morgens in Italien aufwachen – mit Auto oder Motorrad.
Bar besuchen – Anfahrt, Tipps & beste Reisezeit
Anfahrt nach Bar
Von Budva: ca. 1 Stunde mit dem Auto
Von Ulcinj: ca. 30 Min. mit dem Auto
Von Podgorica: ca. 50 Min. (Flughafen Podgorica als Alternative zu Tivat)
Per Zug: Täglich aus Podgorica und Belgrad
Beste Reisezeit für Bar
Bar ist deutlich ruhiger als Budva – auch im Hochsommer. Mai, Juni und September sind ideal: angenehme Temperaturen um 24–27 Grad, wenig Andrang in Stari Bar, günstigere Preise. Wer im November kommt, erlebt möglicherweise das Olivenernte-Fest Maslinada in Stari Bar.
Perfekter Halbtag in Bar – so planen wir ihn
Morgens Stari Bar erkunden (1,5 Std.), dann zur Stara Maslina (30 Min. Fußweg oder kurze Fahrt), Mittagessen im Dorf am Eingang von Stari Bar, nachmittags zurück nach Novi Bar für einen Kaffee an der Promenade und den König-Nikola-Palast. Das ist ein perfekter, vollständiger Halbtag.
Fazit: Bar ist unterschätzt – und das ist sein größter Vorzug
Bar ist kein Glamour-Reiseziel. Kein Sveti Stefan, kein Kotor. Aber genau das macht es wertvoll: eine echte montenegrinische Stadt mit echter Geschichte, einem der ältesten Bäume Europas, einer Ruinenstadt die keine Touristenfalle ist, und einem Hafen der tatsächlich arbeitet. Bar zeigt Montenegro, wie es wirklich ist.
Unser Rat: Mindestens einen Halbtag einplanen. Stari Bar und Stara Maslina zusammen – das vergisst man nicht.
Deine Unterkunft für die Region
Von unserem Apartment „Glücks-Griff“ in Becici bei Budva erreichst du Bar in ca. 1 Stunde – ideal als Tagesausflug, kombinierbar mit dem Skadar-See. Abends zurück ans Meer mit Poolblick.
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